Kurt Arnold

Arbeiten / Kunstwerke

Ein paar Gedanken zu meiner Malerei

Die Malerei ist auf den ersten Blick auf zwei Dimensionen beschränkt, die dritte Dimension kann man durch Strukturen andeuten.
Was eigentlich fehlt ist die 4. Dimension, die Zeit.
Zeit ist etwas ganz besonderes. Oft mangelt es uns an Zeit, gerade in unserer heutigen Gesellschaft.
Meine Bilder sind meist der Versuch die Zeit ins Bild zu bringen. Da man die Zeit so nicht darzustellen vermag  kann man aber sehr wohl die Spuren, die durch sie entstehen, sichtbar machen.
So ist ja auch die Malerei an sich ein zeitlicher Ablauf. Es ergeben sich mit der Zeit Übermalungen, Narben, Kratzer, manches verblasst. Aber auch Farbe hat etwas mit Zeit zu tun. Man denke nur an eine Blume. Die Zeit vom jungen Trieb mit zarter Farbigkeit, über die Blüte mit vollen satten Farben, was viele als Höhepunkt ansehen, bis hin zum Verwelken mit rostigen ,erdigen Farbtönen, das Stadium welches am meisten Geschichte zu erzählen hat.
Dieses Beispiel lässt sich auch ganz leicht auf uns Menschen übertragen.
Aus diesem Grund sollte ein gutes Bild auch vom Betrachter Zeit fordern, sich nicht sofort entschlüsseln.
Schon sehr lange beschäftige ich mich mit den Darstellungen der menschlichen Frühgeschichte. Diese einfachen Zeichnungen und Gemälde haben einen starken Einfluss auf meine Malerei.
Diese Bilder haben nichts von ihrer Kraft verloren. Kunst, die Herstellung scheinbar nutzloser Dinge, zeichnen den Menschen als etwas Besonderes aus. In diesen archaischen Bildern dominieren die Umrisslinien und einfache Formen.
Bei meinen Bildern steht ganz am Anfang die Skizze. Wann immer ich die Gelegenheit habe zeichne ich kleine Entwürfe. Das Skizzieren ist der spontane emotionale Umgang mit Linien und Formen.
So entstehen aus der Vorstellung immer wieder neue Figurationen. Mit der Zeit habe ich mir einen Fundus geschaffen, aus dem ich nach Lust und Laune schöpfen kann.
Als Malgrund setze ich Keilrahmen bespannt mit Leinen-, Baumwollgewebe oder Hartfaserplatten ein. Um Struktur in den Untergrund zu bekommen beschichte ich den Malgrund mit Zeitungspapier (bei Hartfaser und Spanplatten) und einer selbst hergestellten Spachtelmasse
Für mich ist ein neues Bild auch immer eine Auseinandersetzung mit der Farbe. Sie kommt in der Regel vor der Linie auf den Malgrund. Die Flecken entwickeln sich, dehnen sich aus oder werden durch Übermalungen auch wieder beschnitten.
Wenn ich die Zeichnung über die Farbe lege geschieht dies schnell und mit viel Schwung. Die Farbe kann dann die folgende Form nicht aufhalten. Auf diese Art und Weise bringe ich den starken spontanen Ausdruck der Skizze ins Bild zurück.
An meinen Bildern arbeite ich meist über einen längeren Zeitraum. Wenn ein Bild ein bestimmtes Stadium erreicht hat hänge ich es in der Wohnung auf und lasse es auf mich wirken. Es zeigt sich dann schnell was Bestand hat oder wie es weitergeht.
Die Gesichtslosigkeit meiner menschlichen Figuren kann man auch als Anspielung auf die Anonymität unserer Gesellschaft sehen. Die fehlenden Gliedmaßen geben der Darstellung Ruhe und reduzieren die dargestellte Figur auf das Wesentliche. Der Kopf steht für den Geist und der Torso für das Leben.
Durch die Art wie ich in meinen Bildern den Untergrund strukturiere ergibt sich bei einer Betrachtung aus unmittelbarer Nähe ein ganz anderes Bild. Es entstehen Landschaften manchmal von tiefen Schluchten durchzogen dann wieder Täler, Hügel und andere Formationen.

In letzter Konsequenz geht es aber immer nur um die Gestaltung einer bestimmten Fläche.
Ein oft zitierter Satz lautet:“ Es geht nicht darum was man malt, sondern wie man es malt.“

Kurt Arnold

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